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Zweiter Wind

Aus meiner Gedächtniskammer

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Einfälle

Werden unsere Studenten immer dümmer?

Gehe ich doch neulich mal in ein Lebensmittelgeschäft, das ich zwar gern mag, wo ich aber selten einkaufen gehe, weil es nicht auf meinem Heimweg liegt. Was will ich kaufen? Ein paar Weckerl, eitwas Wurst, noch ein paar Kleinigkeiten und - hauptsächlich zum Backen - eine Flasche Rum. Das geht alles problemlos, aber Rum haben sie nur kleine Flaschen.

Frage ich einen Verkäufer: "Gibt es denn keine großen Flaschen?" "Doch", sagt der, "aber wir haben nur kleine."

Da denke ich mir: Nanu! Der Volksmund sagt: "Dummheit frißt, Intelligenz säuft!" Das Geschäft liegt so gut wie am Campus der Universität. Wenn es die Studenten mittags in Scharen heimsuchen, kaufen sie fast nur belegte Weckerl; andererseits gibt es nur kleine Flaschen Rum.

Werden also unsere Studenten immer dümmer?
zweiterwind am 20.11.06 11:14


Zufall

Wenn vom Zufall die Rede ist, dann f?llt mir mit Regelm??igkeit mein einstiger Kommilitone P. ein, der fest davon ?berzeugt war, da? es keinen Zufall in der Welt gebe, man habe die Umst?nde einfach nicht gen?gend erforscht und verberge deshalb hinter dem Wort "Zufall" nur seine Unwissenheit. Die meisten Zufallsgegner haben eine einfachere Begr?ndung parat: Alles was geschieht, ist vorherbestimmt und wird von Gott oder dem Schicksal geregelt. Fragt sich nur, warum der Mensch eigentlich noch denkt, wenn Gott lenkt ...:-) Aber auch in Gottes Welt d?rfte ja nichts einfach so dem Zufall ?berlassen bleiben, die m??te ein noch h?heres Wesen steuern, ?ber dem noch eins und noch eins... ? das ist ja gerade das Elend der objektiv-idealistischen Philisophie! Kehren wir also von diesem fruchtlosen Ausflug in die g?ttliche Weisheit in die menschliche Dummheit zur?ck, die bekanntlich alles zum Zufall erkl?rt, was sie nicht erkl?ren kann, wie P. meinte.

Nehmen wir einmal an, P. h?tte recht. Dann k?nnten wir f?r alles eine Erkl?rung finden, wir m??ten nur danach suchen. T?ten wir das, wir st?nden einer unendlichen Menge von Kausalketten gegen?ber, die wir verfolgen m??ten. Am Ende k?men wir beim Urknall an, der ? zumindest in der anerkannten Naturwissenschaft ? erst mal der Anfang unserer heutigen Welt ist. (Die Anh?nger anderer Lehren k?men nat?rlich zu ihrem jeweiligen Gott oder einem anderen Metabewu?tsein.) Aber was bringt es mich weiter, zu wissen, da? die letzte Ursache eines Leberflecks auf meinem Bauch der Urknall ist? Selbst wenn der Fleck 3 Milimeter weiter rechts l?ge, so w?re noch der Urknall die Ursache davon. Und was hat Gott, oder wer auch immer, davon, mir den Fleck genau an diese Stelle zu machen? Was h?tte es f?r einen Sinn, zu wissen, warum genau dieses oder jenes Wassermolek?l heute in meinem Kaffee gelandet ist? Vielleicht w?rde es mich gar ekeln, wenn ich w??te, da? das mal im Urin eines Wildschweins enthalten war, bevor es einer Quelle zuflo?. Schon Shakespeare hat im "Hamlet" dargelegt, wie ein K?nig den Weg durch den Magen eines Bettlers nimmt: Er stirbt, wird von W?rmern gefressen, die wiederum ein Bettler dazu verwendet, sich einen Fisch zu fangen, den er nun seinerseits verspeist.

Gibt es also gar keinen festen und verl??lichen Halt in der Welt, nichts, worauf man sich verlassen k?nnte?

Doch, durchaus! Das Zauberwort daf?r hei?t "Wahrscheinlichkeit". So k?nnen Sie mit ziemlicher Sicherheit sagen, da? Sie unter 60 W?rfen mit einem W?rfel etwa 10 mal eine Sechs w?rfeln werden. Auch da? der Boden nach einer Weile vollst?ndig na? sein wird, wenn es nur lange genug regnet, d?rfte unumstritten sein. Ebenso ist es fast unwahrscheinlich, im Lotto einen Sechser zu gewinnen ? aber eben nicht unm?glich. Und genau da scheint das Problem mit dem Zufall zu liegen.

Gewi?heiten schaffen Ordnung im Leben, man wei? genau, was kommen wird und was nicht, und das gibt Sicherheit. Wahrscheinlichkeiten dagegen bergen immer das Risiko, da? es anders kommen k?nnte, und das schafft Verwirrung. Da f?llt mir doch weisgott ein ketzerischer Satz aus dem Anti-D?hring von Friedrich Engels ein: "Ordnung ist f?r die Dummen, nur das Genie beherrscht das Chaos."

Ich geb?s ja zu: Auch ich bin mit den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit, den verschiedensten Verteilungsfunktionen, Durchschnittswerten und Standardabweichungen nicht auf Du und Du, auch ich bin kein Genie, aber trotzdem ist in meiner Ged?chtniskammer eine sch?pferische Unordnung zu finden. Oder ist die vielleicht am Ende nur zuf?llig da und eigentlich nichts als pure Schlamperei?
Falk am 8.11.05 15:15


Hälften

Ein Mathematiklehrer sagt zu seiner Klasse: "Kinder, wie oft soll ich es euch noch sagen: Es gibt weder eine gr??ere noch eine kleinere H?lfte, aber die gr??ere H?lfte von euch kapiert das einfach nicht!"

Dieser alte Witz enth?lt nicht nur ein K?rnchen Wahrheit ?ber das Wesen der H?lfte, sondern gleich einen ganzen Sack voll, denn im Alltag akzeptieren wir durchaus unterschiedlich gro?e H?lften, zumindest dann, wenn f?r uns dabei ein Vorteil herausspringt, wie etwa die gr??ere H?lfte der Semmel, eines
Apfels oder des Zimmers und die kleinere H?lfte nangenehmer Arbeiten oder einer Speise, die nicht so gut schmeckt. Wichtig scheint bei der Bezeichnung "H?lfte" zun?chst nur eins: Es mu? zwei Teile von etwas geben, das eigentlich eins ist. Und da gehen die Probleme bereits los.

Der Lehrer k?nnte die Sch?lerzahl meinen, was am wahrscheinlichsten ist, aber auch die Summe der K?rpermassen seiner Sch?ler oder die Summe der Rauminhalte von deren K?pfen. N?hme er beispielsweise die K?rpermassen, so k?nnten dann durchaus von 30 Sch?lern 18 den restlichen 12 gegen?berstehen. "Na gut", k?nnte man sagen, "hier vergleichst du Apfel mit Birnen, meinst Personenzahlen und vergleichst Gewichte." Mal abgesehen
davon, da? ich die Personenzahl mit einer Summe von Massen vergleiche und nicht mit einer Summe von Gewichten (Das ist ein Unterschied!), so ist das v?llig richtig; ich vergleiche Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Aber so machen wir es doch alle mehr oder weniger im Alltag.

Die Frage nach der H?lfte ist der nach der Demokratie recht ?hnlich. Dort fragt man: "Demokratie f?r wen?" hier: "H?lfte wovon?"

Das spielte bereits in Ehm Welks Buch "Die Heiden von Kumerow" eine Rolle. Da diskutiert der Sch?ler Martin Grambauer mit dem Lehrer die Frage, wie wohl der Heilige Martin seinen Mantel mit einem Armen geteilt haben mag.
Gab er ihm vielleicht die untere H?lfte, eine Art zukn?pfbaren G?rtel, der nicht mal am K?rper halten w?rde, gab er ihm vielleicht die obere H?lfte, die mit den Schultern und ?rmeln, gab er ihm die linke oder die rechte H?lfte? Und wieder begegnen uns dabei unterschiedliche H?lften, die es
eigentlich gar nicht gibt! Warum? Weil man nur in gleiche H?lften teilen kann, was entweder in jeder Dimension symmetrisch ist oder in beliebig kleine gleichwertige Teile zerlegt werden kann. Eine Kugel oder einen Quader kann ich in jedem Fall problemlos in zwei gleiche Teile zerlegen, das gilt ebenso f?r einen Haufen Sand, obwohl der kaum symmetrisch in alle Dimensionen ist. Daf?r sind Sandk?rner fein genug, um den Haufen - nach Volumen oder Gewicht gleicherma?en - in zwei H?lften zu teilen. Au?erdem kann man getrost davon ausgehen, da? sich die Sandk?rner nicht allzusehr voneinander unterscheiden. Und dann gibt es Dinge, die sich durchaus in zwei H?lften teilen lassen, wenn man bestimmte Merkmale au?er acht l??t. So kann ein Kegel l?ngs in zwei v?llig gleiche H?lften geteilt werden, weil er symmetrisch ist; zerschneidet man ihn jedoch in der H?he in zwei Teile mit gleicher Masse oder Volumen, so ergibt sich ein Kegel und ein
Kegelstumpf. F?r ein St?ck Schokolade oder Marzipan ist dieser Unterschied allerdings meist bedeutungslos.

Mit dem Mantel des Heiligen Martin sieht die Sache schon etwas anders aus. Bei der gleichen Menge Stoff kann ich
ein v?llig unbrauchbares Teil bekommen. Und die Funktion geht beim Teilen auch verloren. Das Gl?ck ist nach Albert Schweitzer das Einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt; die meisten anderen Dinge sind dann einfach kaputt...

Eng verwandt mit dem Problem der H?lfte ist das des Komplements. So ist der Mensch eigentlich nur in zwei Geschlechtern wirklich Mensch, ER oder SIE vergi?t das nur leider allzu gern. Wie alt ist doch der Witz, es g?be nur zwei sch?ne Tage im Leben eines Mannes: den Hochzeitstag und den, wenn die Frau stirbt. Andererseits jammern die Ladies gern, wie leicht doch das Leben ohne die M?nner w?re, die zwei linke Pfoten haben, nur fressen und saufen und nichts weiterbringen! Dabei w?re es f?r beide Geschlechter sicher sehr hilfreich, nicht nur die Unterschiede zu betonen - wer sich dar?ber informieren will, der sollte die B?cher von Alan und Barbara Pease lesen - sondern endlich zu begreifen, da? die
St?rke des Mannes in der Frau liegt und umgekehrt.

Schon wieder zwei ungleiche H?lften und wie ungleich sie sind! Aber so ist das nun mal: Ein Ganzes hat zwei H?lften, und die geh?ren zusammen, sonst ist es kein Ganzes. Das nennen die Philosophen "Dialektik".
Falk am 30.10.05 17:30


3000 Anschläge

Meinem lieben Kollegen G. f?llt jeden Tag was Neues ein.
Gestern fragt er mich also, ob es eine M?glichkeit g?be, bei einer Tagung oder Konferenz die Texte der Redner f?r die geh?rlosen Teilnehmer simultan mitzuschreiben und auf einem Bildschirm oder Leinwand zum Lesen anzubieten, schlie?lich beherrschen nicht alle die Geb?rdensprache. Vielleicht k?nnte das ja ein Blinder erledigen, die k?nnen ja so gut schreiben.

Ich sage ihm, da? die eine Stenografie schreiben, die nicht eins zu eins in Normalschrift zur?ck?bersetzt werden kann.

G. meint: "Wieso, bei normaler Stenografie geht das doch auch!" Ich: "Ja, Gabelsberger hatte ja auch nicht nur 6 oder 8 Punkte. Ein Stenograf k?nnte schon mitschreiben, aber dann m??ten die Geh?rlosen schon mal alle Stenografie k?nnen."

G. meint: "Ich schreibe immerhin 3000 Anschl?ge in 10 Minuten, das m??te jede bessere Sekret?rin auch schaffen." Ich: "10 Minuten lang vielleicht, aber schon nicht mehr von acht bis zw?lf und dann nachmittags noch mal von eins bis vier."
"Naja, da k?nnten sich ja zwei gegenseitig abl?sen," schl?gt G. vor, "Geb?rdendolmetscher k?nnen ja auch maximal 2 Stunden arbeiten." Ich wende ein, da? die allerdings auch nur einen etwas verringerten Wortschatz r?berbringen, und mit der w?rtlichen Wiedergabe sei es dann auch aus; es m?sse ihm jetzt nur noch einfallen, da? das Ganze auch noch in andere Sprachen ?bersetzt werden solle.

"Du findest immer einen Haken oder was zu meckern," meint G. Wenn es nach dir ginge, dann ginge gar nichts!" Da hat er recht, Einw?nde finde ich tats?chlich viele, und die meisten Menschen halten sie schlicht f?r Gemecker. Also mu? jetzt mir was einfallen, und ich besinne mich auf die Denkmethoden von Enrico Fermi.

"Also," sage ich ihm, "jetzt h?r mir mal gut zu! Ein guter Stenograf schafft zwischen 300 und 400 Silben in der Minute, da kann er die Nachrichten vom ORF locker mitschreiben. Nehmen wir an, eine Silbe habe nur 3 Buchstaben, was auf die meisten sicher zutrifft, dann mu? er schon 900 bis 1000 Zeichen pro Minute schreiben, Leerzeichen und Schaltungen gar nicht mitgerechnet. Das w?ren allein in 10 Minuten rund 10000 Anschl?ge. Und dann vielleicht noch simultan ins Englische ?bersetzen, da w?re er ja ein Superweltmeister!"

Heute war G. schon etwas kleinlauter. "Ich habe eine Stunde Versammlungsprotokoll vom Band geschrieben, und dann war ich fertig! Du k?nntest vielleicht doch recht haben."

Bravo mein Junge! Vielleicht bist du der Erste, der begreift, da? ich mir beim Meckern mitunter was gedacht haben k?nnte.
Falk am 29.9.05 21:52


Warum Zweiter Wind?

Der Name geht auf einen Titel von Brian Auger's Oblivion Express mit dem Titel Second Wind zur?ck. Nun ist die manchmal etwas schr?ge und herbe Sch?nheit Augers nicht jedermanns Sache, aber das ist es ja gerade! Ob Jazz, Klassik oder Beatles - oft erschlie?t sich einem etwas erst nach dem zweiten, dritten, vierten Anlauf. Das ging mir nicht nur bei Auger so, sondern auch bei Jazz, Klassik, vielen B?chern und sogar bei den Beatles! Also wurde ich erst zu einer Zeit auf Vieles aufmerksam, als es dem Blick vieler Zeitgenossen l?nst entschwunden war - eben erst mit dem zweiten Wind. Daf?r sind mir viele Dinge auch geblieben, die jene l?ngst vergessen haben; solche etwa wie jener mehr als 30 Jahre alte Song Brian Augers, in dem es hei?t:

Second wind is blowin' through me
Showing all the changes to me
All my thoughts about tomorrow
Tumbling down the way to follow.

(Probe aus Exempel: Man suche den Text von Second Wind im Internet - ich habe ihn dort nicht gefunden.)
Falk am 28.9.05 22:50


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